* Der Vertik *   2016   100x140 Öl/Leinwand
Am Anfang war Nichts. Nur eine Linie. Eine Linie besteht aus Nichts. Als Trennung zwischen gedachten und existierenden Dingen. Aufstrebend von unten nach oben. Der Vertik. Wie der Horizont. Aber vertikal statt horizontal. Krankes Wasser vergangener Schöpfungen regnete von der Seite. Wie der Regen, wenn du mit dem Kopf auf der Fensterbank liegst und nach draußen schaust. Wasser ist der Ursprung des Lebens. Elementarteilchen kreisen und formen die ersten organischen Verbindungen. Bis dahin geschah alles nur unbewusst. Doch dann erwachte SIE wie aus einem immer wiederkehrenden Traum. Das Bewusstsein war geboren. Gedanken kreisen und formen Organe. SIE hatte sich selber im Traum erschaffen…
Erst wusste SIE nicht so recht wie IHR geschah, was das alles zu bedeuten hatte, woher SIE gekommen war, was daraus werden sollte, worin der Sinn IHRER Existenz bestand. SIE fühlte sich allein. Ob es wohl noch andere Lebensformen gibt? Und wenn ja, wer ist *es*. Und warum gibt dieses *es* irgendwelche Dinge? SIE sollte weniger nachdenken, dachte SIE sich. Das macht nur unnötig aggressiv. Statt dessen sollte SIE lieber etwas tun. Etwas kreatives. Etwas geben. Neues Leben erschaffen. Eine Reihe von Untertanen. Götter, die IHR ähnlich sein sollten... SIE hatte einen Plan. Eine Herausforderung. Einen Sinn.
Die ersten drei Götter erschuf SIE in Gestalt von Hähnen. Jeder von ihnen bekam einen kleinen Planeten. Eine karge Kugel, die bepflanzt werden sollte.
* W *   2009   70x60 Öl/Leinwand
W war der erste. Wörter waren noch nicht erfunden, weil es so wenige Dinge gab, dass Buchstaben ausreichten, sie zu benennen. W war ein seelischer Mutant. Ein selbstzerstörerischer Egozentriker. Er wollte mit allen Krieg führen und das ganze System beherrschen. Das gefiel IHR nicht. Ein kleiner Blitz aus der Oort´schen Wolke. Ein Krater im kosmischen Schaumbad.
* Serlo *   2009   70x60 Öl/Leinwand
* Ikinci *   2014   70x60 Öl/Leinwand
* Üçüncü *   2015   70x60 Öl/Leinwand
Der zweite war Serlo. Anfangs war er sehr kreativ. Er erschuf eine Atmosphäre, einen großen Ozean, der mehr als die Hälfte des Planeten bedeckte, und einige Pflanzen und Tiere, die im Wasser und an Land lebten. Als er anfing, Menschen zu konstruieren, entdeckte er gleichzeitig die Musik. Die faszinierte ihn so sehr, dass er die Menschen nicht fertig baute. Die anderen Tiere mochten seine Musik nicht und gingen evolutionär rückwärts zurück ins Meer. Irgendwann entwickelten sie Raumschiffe und verließen den Planeten. Sie flogen ewig im All umher. Viel später werden sie auf dem Saturnmond Enceladus, dem multikulturellen Zentrum des Universums, eine neue Heimat finden. SIE war enttäuscht von Serlo. Eine ganze Weile lauschte SIE. Dann war SIE gelangweilt. Bäm!
* Rufus *   2009   70x60 Öl/Leinwand
Dann gab SIE noch Rufus. Er war ein großer Denker, weshalb er von vorn herein das ganze System hinterfragte und an allem zweifelte. Er beschäftigte sich lieber mit philosophischen Fragen und Antworten, statt irgendetwas oder jemanden zu erschaffen, und so blieb der Planet unberührt. Im Laufe der Zeit erlangte er ein höheres Stadium des Bewusstseins und verschwand. Wahrscheinlich wandert er umher in anderen Systemen. Sein Planet wurde wie ein Restklumpen Ton noch einmal durchgeknetet und wiederverwendet.
Deshalb kräht bei den Menschen morgens der Hahn, wenn sie glauben, daß die Sonne aufgeht. Dabei geht in Wirklichkeit der Planet auf. Ja, wir gehen auf und wieder unter. Die Sonne steht still. Das ist wie auf einer Schaukel, wenn du denkst die Erde schwingt hin und her...
Wie eine Figur aus Ton, wenn du das mit deinen Händen tust, so hatte SIE in der Zwischenzeit mit ihren Gedanken einen Körper für sich selbst geformt, da SIE ja bisher nur aus einem Kopf bestand. Um auf irgendetwas zu stehen, kreierte SIE eine Art Schaumteppich, die Oort´sche Wolke. Der ganze Schöpfungsstress und die Alpträume, aus denen SIE Nachts schweißgebadet, gegen die Wand tretend aufwachte, bereiteten IHR zunehmend Fußschmerzen. Und so war IHR nach einem heißen Fußbad mit ätherischen Ölen und so... Als dann die Seifenblasen so emporstiegen, fiel IHR auf, daß sie eine universell elementare Form haben auf der so ziemlich alles basiert.. so entstand die als Fußheizung gedachte gelbe Sonne, die ihr alle kennt. Dreidimensionale Lebewesen sehen eine Kugel als Kreis. Deshalb die Erfindung das Rades, als die Erde noch eine Scheibe war...
Bei einer derart anspruchsvollen Arbeit, wie der einer Schöpferin muss alles sorgfältig geplant sein. Die verschiedenen Arbeitsschritte sollten möglichst parallel verlaufen. Während die einen Früchte wachsen, ist das andere Gemüse reif für die Ernte. So waren in der Zwischenzeit die nächsten drei Planeten schon fast fertig gebacken. Sie waren um einiges größer und mit viel besseren Lebensbedingungen ausgestattet. Damit war SIE sehr zufrieden, denn SIE hatte ein neues Konzept. Bei den Hähnen machte SIE eine merkwürdige Erfahrung. SIE hatte Gefühle. Das war eine Erfüllung und eine Herausforderung. Vielleicht sogar etwas, das das Leben erst lebenswert macht. Erst empfand SIE Liebe für Ihre Kinder. Dann Wut, weil sie alles vermasselten, und am Ende war SIE traurig, weil SIE sie getötet hatte. Nun wollte SIE etwas erschaffen, das IHREN Gefühlen Ausdruck verleiht.
SIE warf die drei Kugeln wie Jonglierbälle in die Umlaufbahn der Fußheizung, die ihnen als Energiequelle dienen sollte, damit sie dort Wärme und Licht haben. SIE hatte vorher mit einigen Restklumpen geübt und traute es sich mittlerweile zu, die richtige Umlaufbahn mit einem guten Abstand zur Sonne zu erwischen und den Planeten mit dem perfekten Schwung aus dem Handgelenk eine Rotation um die eigene Achse zu geben, so daß die Leute dort Tag und Nacht haben sollten. Den Göttern, die die neuen Planeten regieren sollten, gab SIE ein Vielfaches mehr an Verstand, als den Hähnen und als neue Besonderheit gab SIE ihnen Gefühle.
* Mit Titel *   2009   75x150 Öl/Leinwand
Der Venus gab SIE die Liebe, auf daß sie einen besonders harmonischen Ort regieren solle. Leider war der Planet kein allzu guter Wurf. Der Abstand zur Sonne war viel zu klein, weshalb es sehr warm war und die organischen Figuren einfach dahinschmolzen, wie Kerzenwachs. Außerdem ergab die Kombination der vorhandenen Elemente eine ziemlich giftige Mischung. Es war in etwa so gemütlich wie im Inneren eines Vulkans. Zu allem Übel drehte sich der Planet sehr langsam um sich selbst, weshalb die Tage sogar länger waren als die Jahre. Venus lag es sehr am Herzen, Leben zu erschaffen und gab nicht auf. Am Ende gelang es ihr sogar, ein paar Arten von Acidophilen Extremophilen in der Atmosphäre anzusiedeln. Das sind sehr primitive Lebensformen, die sich unter extremsten Bedingungen wohlfühlen.
* Der kleine Willi *   2016   75x60 Öl/Leinwand
Im Gegensatz zur einsamen Liebesgöttin hatte der Mars ein Herz aus Eis und zwei Begleiter namens Angst und Schrecken. Monde sind Abfallprodukte, die beim auswuchten eines Planeten entstehen. Oft dienen sie den Göttern als Spielzeuge und in seltenen Fällen sind sie sogar bewohnbar. Der Mars lief wie geschmiert und die Lebensbedingungen waren um einiges besser als auf der Venus. Allerdings noch immer nicht gut genug. Der Abstand zur Sonne war zu groß, demnach war es zu kalt. Die Atmosphäre war sehr dünn und wer kein Kohlendioxideis mochte, fand hier wahrscheinlich keine Nahrung. Eine trostlose Landschaft mit gelblich braunem Himmel. So wie im Inneren des Herrschers Willi Mars, der den Krieg personifizierte. Da er leider kein Volk hatte, das diesen austragen konnte, und er mit zwei Bällen nicht jonglieren konnte, drohte er irgendwann vor Wut zu platzen.
Etwas deprimierend war das ganze zwar schon, aber SIE übte ja noch und wie die meisten Dinge, lernt man auch das Herstellen von Planeten nicht in ein paar Tagen...
Mit der Erde landete SIE endlich einen Volltreffer. Ein gezielter Wurf in die perfekte Umlaufbahn, so daß es mäßig kalte und warme Gebiete gab, in denen die unterschiedlichsten Lebensformen gedeihen konnten. Noch eine kleine Kugel hinterher geworfen, die der Erde einen Stoß versetzte, weshalb ihre Achse im Verhältnis zur Sonne schräg steht. So eiert die Erde nun besonders elegant durchs All und statt stellenweise kalt und anderswo warm zu sein, erfreut sie die Erdlinge mit einem wundervoll abwechslungsreichen Klima.
Für die richtige Mischung der Elemente hatte SIE ein neues Rezept ausgetüftelt. Auf Kohlenstoff sollte nun das neue Leben basieren. Noch etwas Pfeffer in Form von Meteoritenhagel und die Chemie sollte stimmen. Dieses Projekt hatte auf jeden Fall das Zeug für Ihr Meisterstück..
* Mandrillus *   2018   75x45 Öl/Leinwand
Mandrillus wurde der Herr der Erde. Der feurigste und leidenschaftlichste aller Götter im System.
Während die Erde noch lange kreiste, bis die Kruste abkühlte und sich Kontinente und Meere bildeten, verbrachte er die meiste Zeit zu Hause und konstruierte beinahe unzählige der unterschiedlichsten Arten von Erdlingen. Jeder von ihnen war besonders, auf seine Art und Weise. Nur eins sollten sie alle gemeinsam haben, eine Seele, ein Bewusstsein, Gefühle. Er pflanzte komplexe Ökosysteme. Unter Wasser und an Land. In heißen und in kalten Gebieten. Alle Erdlinge waren im Einklang, Pflanzen versorgten Tiere mit Früchten, die wiederum verteilten im Gegenzug die Samen der Pflanzen. Tiere aßen andere, so konnte es zu keiner übermächtigen Population kommen und sogar der ganze Abfall, wie Aas und Exkremente, erfreute noch viele Leute und wurde ordentlich weggeräumt. Der ganze Planet war eine multiple Symbiose. Fast schon zu perfekt ..
Als Krone der Schöpfung erschuf er eine Art nach seinem Abbild. Den Mandrill, eine Affenart in einem kleinen Gebiet im Zentralafrikanischen Regenwald. Danach ruhte er sich erst einmal ein paar Millionen Jahre aus und beobachtete voller Stolz sein großartiges Werk.
SIE war in der Zwischenzeit auch nicht untätig und experimentierte mit Planeten und Elementen. So entstanden unter anderem die drei Gasriesen, monströse Kugeln in der mittleren bis äußeren Umlaufbahn..
* Nepomuk *   2012   70x60 Öl/Draht/Leinwand
SIE schickte Nepomuk zum Jupiter, dem ersten Gasriesen. Nepomuk war ein großer Seefahrer, er war lange mit seinem Boot auf der Gasoberfläche unterwegs, war fest entschlossen eine Zivilisation aufzubauen, doch Jupiter war genauso fest entschlossen dies zu verhindern. Ewig segelte Nepomuk auf den Breitengraden, trotzte jedem Sturm auf der Suche nach einer Heimat. Die Evolution pochte in ihm. Sein Kopf war voller Ideen. Irgendwann purzelten ihm sogar kleine Tierchen aus dem Bart. Er hat niemals aufgegeben. Ein ewiger Kampf. Gegen Jupiter oder gegen seinen inneren Krampf. Irgendwann ist er selber zum Sturm geworden. Irdische Astronomen nennen ihn den „Großen roten Fleck“
Frustriert feuerte SIE voller Eifer und beinahe zornig alles übrige Material hinterher, so daß die leblosen Ungeheuer eine Vielzahl an Monden bekamen, die teilweise im Stande waren, primitives und sogar intelligentes Leben zu beherbergen.
* Der Erfinder *   2007   70x60 Öl/Draht/Leinwand
Nachdem Nepomuk auf dem Jupiter gescheitert war, schickte SIE den Erfinder August Gensing zu den Monden der Gasriesen, er sollte eine Maschine bauen, um das Eis zu schmelzen und vorhandenes Leben zu entdecken, die Lebensbedingungen zu optimieren und die Kultur zu fördern.
Auf dem Saturnmond Enceladus herrschten trotz großer Kälte gute Lebensbedingungen, denn unter der gefrorenen Oberfläche war flüssiges Eis. Die Zentrifugalkräfte der Umkreisung erzeugten einen schönen warmen Ozean, der zum baden und zum angeln einlädt.
August war ein besessener Erfinder, aus dem die Ideen nur so heraussprudelten, wie die Geysire aus dem kleinen Saturnbegleiter in der südlichen Hemisphäre. Er wollte einfach alles aus dem Nichts ins Sein befördern. Egal, ob jemand davon Nutzen oder Schaden trägt.. So baute er zuerst Autos. Sie sollten die Atmosphäre erwärmen und das Eis zum schmelzen bringen. Sie fuhren den ganzen Tag hin und her. Morgens zur Arbeit und abends wieder nach Hause, Samstags zum einkaufen in die Stadt und Sonntags einfach nur so durch die Gegend, spazieren oder so. Eine äußerst einfältige Spezies. Nach etwa hundert Jahren und einer Erwärmung von -100° auf -95° wurde August ungeduldig. Viel zu viel Verkehr und Stau stressten ihn und er wollte am liebsten Jagt auf die Autos machen. Diese kleinen Blechkisten wurden zur Plage, verschandelten die Landschaft und dröhnten in den Ohren. So baute er die Audhumbla-Maschine, eine gewaltige Konstruktion mit einer Art Schmelzvorrichtung, die das gebündelte Licht der fernen Sonne in einen heißen Strahl umwandelte. Damit wollte er Löcher in die Oberfläche schmelzen und nebenher die nervigen Autos ganz einfach im Eis versenken. Ein paar Leute aus Nepomuks Bart waren schnell angeheuert, das Monstrum zu bedienen.

Schon bald machten sie einen legendären Fund, ein Relikt aus vergangenen Welten:
* Audhumbla beleckte die Eisblöcke, die salzig waren, und den ersten Tag da sie die Steine beleckte, kam aus den Steinen am Abend Menschenhaar hervor, den anderen Tag eines Mannes Haupt, den dritten Tag war es ein ganzer Mann, der hieß Buri *   Gylfaginning , Die Edda
Buri hatte zahlreiche Nachkommen. Seine Enkel waren unter anderem Odin, Wili und We...
Diese Geschichte inspirierte August zu seinem ersten Buch. In der Edda, der eigentlichen Saga, ist Audhumbla eine Kuh, die Buri aus dem Eis leckt und den Riesen Ymir säugt. Deshalb sieht die Maschine aus der Ferne aus wie Ymirs durstiger Kopf und viele Menschen trinken bis heute übers Säuglingsalter hinaus die Milch der Kühe, weil sie alte Mythen lieben, und werden immer größer.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich Enceladus zum multikulturellen Zentrum des Systems, worum sich letztendlich alles dreht. Eine von Titanen erbaute Infrastruktur, viel positive Energie durch Kultur und Frieden, ein Badeparadies mit Autowracks, günstige Planktonburger an jeder Ecke, ein Pilgerort für alle Freiheitsliebenden, ein Geheimtip für Abenteurer und Aussteiger...
* Die Audhumbla-Maschine *   2011   150x100 Öl/Leinwand

Mandrillus war es in der Zwischenzeit etwas langweilig geworden, auf der Erde war alles friedlich, sie lebte so vor sich hin, es gab immer leckeres Essen, eine schöne Aussicht, im Winter Ski fahren, im Sommer im Meer baden.. Die Erdlinge hatten eine schöne Zeit. Als göttliches Wesen vergeht die Zeit anders, da kann man einfach mal tausend Jahre schlafen oder in einer Sekunde alle Serien auf Netflix gucken. Er war arbeitslos. Oder sollte das etwa schon die Rente sein? Jedenfalls hatte er eine schwere Krise. Er zog Nachts um die Häuser, ging in Kneipen und Clubs, doch die Leute langweilten ihn. Eines Morgens, als er betrunken nach Hause kam, ging er noch in die Werkstatt und bastelte ein paar weitere Kreaturen. Er setzte dem Turm der Evolution der Erdlinge die Spitze auf. Zuerst kreierte er ein paar besonders intelligente Affenarten und schließlich in seinem kreativen Wahn die Menschen. Er war rasend. Zum ersten Mal seit Jahrmillionen fühlte er sich wieder lebendig. Diese Menschenwesen sollten die langweilige friedliche Erde in eine feurige Kugel verwandeln. Sie waren mit einer übertriebenen Intelligenz ausgestattet und in der Lage das harmonische Gleichgewicht auf der Erde umzuwerfen. Zu allem Übel gab er den Menschen eine gottgleiche Gestalt und die Liebe und den Hass von Venus und Mars...
SIE hatte das System in der Zwischenzeit um eine zweite Sonne erweitert. Nemesis. Eine Art Todesstern. Für den Notfall. Wenn das Leben auf einem Planeten zu eskalieren drohte, konnte Nemesis den natürlichen Klimawandel beschleunigen und seine Bewohner wurden gegrillt. Nur ganz kurz, wie ein Steak, dann war der Planet gesäubert und neues Leben konnte gedeihen. Bei den ersten Menschen auf der Erde war dies nicht notwendig, sie brannten selber alles nieder und desinfizierten den Boden. Sie benahmen sich ziemlich daneben. Sie waren das Ende der Nahrungskette und unterwarfen die meisten anderen Tiere. Viele rotteten sie aus. Mandrillus war schockiert. Er hatte ein Monstrum erschaffen. Das gab ihm sehr zu denken. Waren nicht alle seine Kreationen auch ein Teil seiner selbst? Aufgeregt beobachtete er wie es weiterging. Blickte wie durch einen Spiegel in seine unbewussten Abgründe. Die Menschen vermehrten sich explosionsartig, fraßen alles auf und eigneten sich mehr Besitz an als sie brauchten. Als die Ressourcen knapp wurden, und sie weniger hatten als sie zum Leben brauchten, brachten sie sich gegenseitig um. Sie raubten und plünderten. Sie hatten in wenigen Jahrtausenden einen ganzen Planeten ruiniert. SIE war fasziniert. Die nächste Menschheit sollte total eskalieren. SIE beauftragte den Erfinder August Gensing, ihnen übermenschliche Werkzeuge zu geben. Die ersten Menschen haben es geschafft mit Feuer und Schwert, Pech und Schwefel, Selbstgefälligkeit und Überheblichkeit, alle anderen Erdlinge und am Ende sich selbst auszulöschen. Dumpf und brutal. Das war ihre Natur.
Wie kleine Kinder von den Erwachsenen bekamen die neuen Menschen nun von den Göttern gebaute Spielzeuge um zu lernen. August ist ein Multitalent, er konstruierte Maschinen, Motoren, Flugzeuge und Kanonen. Bannte die kosmische Elektrizität in Batterien. Baute den Menschen Autos, Fernseher und Telefone. Letztendlich basieren alle heute existierenden technischen Geräte (Außer Oszillatoren, die waren eine Kreation von Serlo) auf Gensings Erfindungen. Ebenso ist er ein großer Künstler, er komponierte, malte, schrieb Millionen von Büchern... alles was vor 1926 scheinbar von Menschen erschaffen wurde ist in Wirklichkeit sein Werk.
Dazu eine erfundene Geschichte. Sie bekamen eine künstliche Vergangenheit eingepflanzt. Alles was in den Geschichtsbüchern stand, sollte ihnen ein schlechtes Beispiel sein, ihnen zu denken geben. Es war ein Experiment. SIE schenkte ihnen das Leben wie eine Mutter ihrem Kind, hineingeboren in eine kaputte Gesellschaft. Ein Kind, das in einer Kannibalensippe geboren wird, wird mit großer Wahrscheinlichkeit automatisch auch zum Kannibalen, ohne dies zu hinterfragen. 100 Jahre Anthropozän. Soviel Zeit wollte SIE ihnen geben, sich zu ändern. Zu allem Übel engagierte SIE noch die beiden gelangweilten Venus und Mars, sie sollten noch etwas Liebe und Hass schüren. Die Show konnte beginnen.
Nachdem SIE IHRE Liebe und IHREN Hass in Venus und Mars manifestierte, verbannte SIE IHRE Traurigkeit an den äußersten Rand des Systems. Zum Eisriesen Neptun. SIE versenkte das unerträgliche Gefühl in den Tiefen des Meeres. Doch immer wieder schaffen es die Gestalten IHRER Alpträume an die Oberfläche. Eine dunkle alte starke Hand packt SIE immer wieder im Schlaf, füllt ihren Körper mit gasförmiger Angst, so daß SIE nach oben schwebt im Meer aus Ammoniak und Methaneis bis SIE schreiend erwacht.

* Golgatha/Neptun *    2010/2018   90x120 Öl/Leinwand
Es dröhnt. Motoren heulen, Maschinen brummen, Fabriken qualmen. Das Jahr 1926 auf der Erde. Mandrillus sind sogar irgendwann die Ohren abgefallen, weil er den Lärm nicht mehr ertragen konnte. Alle Erdlinge nach seiner Schöpfung wurden reaktiviert. Jedem Tier, jeder Pflanze, jedem Stein wurde neues Leben geschenkt. Ein Fingerschnippen des Erfinders und die Maschinerie Menschheit läuft. Allen Menschen, die in diesem Moment auf der Erde leben, pflanzte er eine künstliche Erinnerung ein, so daß sie glauben Jahre und Jahrzehnte auf der Erde erlebt zu haben, doch all diese Erlebnisse sind erfunden, in den Chemiebaukasten eines jeden Hirns hineingemogelt. Er hatte die Erde schön für die neue Menschenwelt präpariert. Er bastelte Fossilien, vergrub Dinosaurierknochen und Schätze, baute Ruinen und Pyramiden. Die Menschen wären wahrscheinlich nicht fähig gewesen, all diese Dinge herzustellen, leider sind sie auch nicht in der Lage, die Geräte auf eine angemessene Art zu benutzen.
Maschinen wurden erfunden, um den Menschen zu dienen, aber irgendwann dienten die Menschen nur noch den Maschinen.
So nahm das Leben auf der Erde seinen Lauf. Die Geschichte, die du kennst und zuletzt erlebt hast. Von 1926 bis heute ist alles wirklich so geschehen. Du und all die anderen Leute hier existieren wirklich. Eine kleine Realität innerhalb einer großen Surrealität. Alles ist real bis zu diesem Moment, in dem der Sand an der engsten Stelle der Uhr ist. Die Zukunft beginnt genau jetzt. Deine Zukunft. Die Zukunft der Erde. Die Zukunft des Universums.
* Frieden im Universum *   2017   150x100 Öl/Leinwand
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